Ansichten


Aufklärung und Humanismus

Die Wurzeln von Atheismus und Freidenkertum finden sich bereits im Rationalismus der Antike.

Neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse, wie etwa von Galileo Galilei (1564-1642) und Charles Darwin (1809- 1882) erschütterten das bis dahin gültige Weltbild der Kirche.

Als „Zeitalter der Aufklärung“ wird das 18. und 19. Jahrhundert angesehen. Vorallem in Frankreich und England, aber auch in Deutschland setzt sich zumindest in der Philosophie die Erkenntnis durch das das Dasein nicht durch eine höhere, ausserhalb der Welt stehenden Macht, sondern durch den Menschen selbst bestimmt wird.

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“.
Immanuel Kant (1784)

Es ist die alte Illusion, daß es nur vom guten Willen der Leute abhängt, die bestehenden Verhältnisse zu ändern…
Diese ideele Erhebung über die Welt ist der ideologische Ausdruck der Ohnmacht der Philosophen gegenüber der Welt. Ihre ideologischen Prahlereien werden jeden Tag durch die Praxis Lügen gestraft.
Karl Marx (1846)


Materialismus

Materialisten sind in der Sprache der Wissenschaft Anhänger der materialistischen Weltanschauung, nach der die Welt von der materiellen (stofflichen) Wirklichkeit bestimmt wird.

Aus ihr entwickelt sich das menschliche Bewustsein mit allen Handlungsweisen. Vor diesem Hintergrund können die Menschen, die Welt und damit auch die Gesellschaft verändern.

Sie können wirtschaftliche und soziale Beziehungen schaffen, die Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit und friedliches Zusammenleben ermöglichen.

Sind Materialisten nicht ohne jeden Idealismus und nur geldgierig?

Gegner der Aufklärung pflegen gerne diese sprachliche Verwirrung. Mit dem umgangssprachlichen „Materialisten“, also einem Menschen der keine Ideale, sondern nur seinen materiellen Vorteil sucht, hat der wissenschaftliche Materialismus nichts zu tun.


Gewissens- und Glaubensfreiheit

Wir treten für die Anerkennung und Achtung der Gewissens- und Glaubensfreiheit ein.

Daher sind uns Menschen, die unsere Ansichten nicht teilen, als Gesprächs- und DiskussionspartnerInnen immer willkommen– wir wollen niemanden „missionieren“.

Wir nehmen jede Meinung ernst, erwarten aber von unserem Gegenüber dasselbe.

Ausnahme: Diskussionen mit Rassisten und Faschisten halten wir für sinnlos. Menschenverachtende Positionen schliessen einen humanen Umgang miteinander aus.


Trennung von Staat und Kirche

hierzu aus der "Berliner Erklärung" Deutscher Freidenker-Verband (1994):

Politische Entscheidungen sollen keiner religiösen Legitimation bedürfen.

Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften müssen von staatlicher Einmischung frei sein.

Meinungs- und Gewissensfreiheit sowie Religions- und Weltanschauungsfreiheit als unveräußerliche Menschenrechte sind zu garantieren. Niemand darf wegen Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer Kirche, Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft priviliegiert oder diskriminiert werden.

Die staatliche Erfassung des religiösen Bekenntnisses sowie der staatliche Einzug der Kirchensteuer verletzen die Religionsfreiheit sowie den Datenschutz und sind einzustellen.

Die Taufe unmündiger Kinder darf keine Rechtsansprüche der Kirchen an den Staat begründen, die Mitgliedschaft in Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften ist nach den für alle geltenden Gesetzen zu erwerben. Der Austritt ist gegenüber der Gemeinschaft und nicht gegenüber staatlichen Stellen zu erklären.

Alle Konkordate und Verträge, die besondere Rechte und Beziehungen zum Staat begründen, sind zu kündigen. Staatsleistungen zur „Wiedergutmachung“ der Säkularisierung von kirchlichem Besitz im Gefolge der Französischen Revolution sind einzustellen.

Alle steuerrechtlichen und sonstigen Bestimmungen, die zur Privilegierung oder Ungleichbehandlung der Mitglieder von Kirchen, Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften führen, sind aufzuheben.

In kirchlichen Einrichtungen muss das allgemeine Arbeits- und Tarifrecht sowie das Personalvertretungsrecht uneingeschränkt gelten.

Die öffentliche Hand muss flächendeckend eine ausreichende Zahl von weltanschaulich-bekenntnismäßig neutralen Sozialeinrichtungen anbieten. Der freie Zugang zu Ausbildung und Beschäftigung in sozialen und erzieherischen Berufen ist auch für konfessionsfreie Menschen zu gewährleisten.

Die staatliche Organisierung und Finanzierung der Militär- und Anstaltsseelsorge ist zu beenden.

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung darf nicht von religiösen Motiven abhängig gemacht werden, es muss uneingeschränkt auch für Konfessionsfreie gelten.

Öffentliche Pflichtschulen müssen als Gemeinschaftsschulen weltanschaulich neutral sein, Missionierung und Glaubensunterweisung darf nicht auf Kosten aller Steuerzahler stattfinden.

Verfassungs- und gesetzliche Bestimmungen, die Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach und Lehrplanbestandteil garantieren, sind aufzuheben. Daraus folgt auch, dass es keine Verpflichtung zur Teilnahme an einem Zwangs-„Ersatz“unterricht (z. B. Ethik) geben darf, was einen Bedarf an moralisch-sittlichem Nachhilfeunterricht für konfessionsfreie Schülerinnen und Schüler unterstellt.

Der Religions- und Weltanschauungsfreiheit entspräche ein Unterrichtsfach, das von einem neutralen Standpunkt über Geschichte und Inhalte von Religionen und philosophischen Richtungen informiert, und so die mündige, eigenverantwortliche Orientierung ermöglicht und befördert.

„Konkordats“-Lehrstühle an öffentlichen Hochschulen und Universitäten sind abzuschaffen, öffentliche Zuschüsse für kircheneigene Bildungseinrichtungen sind zu streichen.