20 Jahre Nato-Bombardierung Jugoslawiens. Eine notwendige Erinnerung

Nach dem Ende der Nachkriegsordnung hat Deutschland (und EU-Europa) vor 20 Jahren über und mit einem NATO–Krieg aufs Neue seinen imperialistischen Anspruch angemeldet.
Zu diesem Zweck wurden mit der – nicht uneigennützigen – Hilfe der USA die Souveränität und die Macht– zunächst Jugoslawiens – dann Serbiens zerschlagen. Auch wenn sein militärischer Beitrag eher bescheiden war, beanspruchte Deutschland ab diesem Zeitpunkt in der Rangordnung der „New World Order“ einen der vordersten Plätze.

Wie es begann:

Am 24.3.1999 abends:
Gerhard Schröder im Deutschen Fernsehen:
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
heute Abend hat die Nato mit Luftschlägen gegen militärische Ziele in Jugoslawien begonnen. Damit will das Bündnis ….. eine humanitäre Katastrophe im Kosovo verhindern.
Der jugoslawische Präsident Milosevic führt dort einen erbarmungslosen Krieg,

und weiter

An dem Einsatz der NATO sind auch Soldaten der Bundeswehr beteiligt. Schließlich stehen zum ersten Mal nach Ende des Zweiten Weltkriegs deutsche Soldaten im Kampfeinsatz.

Ohne UN-Mandat und ausgerechnet auf dem Balkan, wo schon Hitler einen Vernichtungskrieg gegen Serbien führte, stehen deutsche Soldaten wieder im Kampfeinsatz.

Elf Wochen nach dieser Ansprache stoppte die NATO ihre Angriffe.

Das schmutzige Gesicht des Krieges – verbrannte Erde

In diesen 78 Tagen erfolgte ein intensives Bombardement durch NATO-Flugzeuge. Beteiligt waren 1000 Kampfflugzeuge der Luftstreitkräfte unter anderem der USA, Großbritanniens, Deutschlands, Italiens, Spaniens und der Türkei. Es gab 35.000 Lufteinsätze. 6500 Zivilisten und 500 jugoslawische Soldaten fanden den Tod. 200 Fabriken wurden dem Erdboden gleichgemacht. Raffinerien wurden in Brand geschossen. 33 Brücken, ein großer Teil des Straßennetzes und der Infrastruktur der Eisenbahn wurden zerstört. Hunderte Dörfer wurden in Brand gesteckt.
In fast allen Städten Jugoslawiens wurden Regierungsgebäude, Rathäuser, Kirchen, Klöster, Krankenhäuser, Schulen, Universitäten, Kindergärten, Sportanlagen, Museen, Gedenkstätten, ja sogar Friedhöfe bombardiert und oft in Schutt und Asche gelegt. Der NATO gingen buchstäblich die Ziele aus bzw. sie mussten mehrmals neu definiert und damit immer mehr rein zivile Ziele ins Visier der Bomber genommen werden. Dabei legte die NATO Wert auf die Feststellung, jedem einzelnen Angriffsziel „politisch zugestimmt“ zu haben.

Dieser Krieg machte offenbar, dass die Berliner Republik von anderem Zuschnitt ist und sein wird als es die Bonner Republik war – ein im Rückblick rheinischer Kuschel-Kapitalismus mit menschlichem Angesicht.

Warum wurde dieser Krieg geführt?

Er wurde geführt, weil nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, nach dem Zusammenbruch und der Kapitalisierung der Sowjetunion und der DDR, der Weg frei war, die Karten neu zu mischen, die Rangordnungen neu zu bestimmen. Er wurde geführt um Deutschlands Anspruchs wegen, seinen Rang unter den Mächten neu zu finden und neu zu definieren. Er wurde geführt, um endlich einen der vordersten Plätze in der „New World Order“ einzunehmen.

Dieser Krieg konnte nur geführt werden mit der Zustimmung breiter Bevölkerungskreise. Ein Propagandafeuerwerk aus Greuelmärchen, aus unsäglichen Hitler – Milosevic und Srebrenica – Auschwitz Vergleichen, aus Menschenrechts- und Selbstbestimmungsforderungen und aus Humanitätsansprüchen führte zum Erfolg. Bis weit ins Linke Spektrum erfuhr dieser Krieg Zustimmung. Er war „moralisch“ und er war nicht mit schnödem materiellem Interesse belastet.

Dieser Krieg konnte nur geführt werden, weil eine neue Generation von Politikerinnen und Politiker die Hoffnungen und Ideale ihrer Jugend hinter sich gelassen und die Verbrechen ihrer Großväter bewältigt hatte. Nicht verzichten wollten und konnten sie auf ererbte und bewährte Mittel imperialistischer deutscher Außenpolitik. Text: Walter Eckhardt

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