LesungVeranstaltung

China neu denken. Wie ein Land sich verändert und unser Jahrhundert prägt

Prof. Dr. Thomas Heberer (Institut für Ostasienwissenschaften in Duisburg)
Lesung/Vortrag mit anschließender Diskussion
24.11.2026 | 18 Uhr | „Club Orange“ der Ulmer Volkshochschule (EinsteinHaus, Kornhausplatz 5, 89073 Ulm)

China-Bücher drehen sich in den letzten Jahren überwiegend um geopolitische Fragen. Innenpolitisch stehen Fragen der Wirtschaftsentwicklung im Vordergrund. Wenige beschäftigen sich mit der inneren Verfasstheit des Landes und seiner politischen Kultur. Um China und sein Verhalten besser zu verstehen, müssen wir uns aber gerade mit diesen Themen verstärkt auseinandersetzen.

Nach einer Einschätzung der Gründe für das negative Image des Landes befasst sich Thomas Heberer mit der Frage wie und in welcher Form es Ende der 1970er Jahre zu dem Reformprozess gekommen ist, der die Grundlage der Erfolgsgeschichte Chinas in den letzten vier Jahrzehnten gelegt hat. Dies erfolgt weitgehend durch die Darstellung persönlicher Erfahrungen und Erlebnisse in den 1970er und frühen 1980er Jahren im Rahmen seiner Tätigkeit als Lektor und Übersetzer in einem chinesischen Verlag in Peking.

Um das China von heute besser verstehen zu können, bearbeitet der Autor mit vier grundlegenden Themenfeldern: dem Bewusstsein von Geschichte im Denken der Menschen; Weltbildern und religiösen Praktiken; dem Verhältnis von Staat und Gesellschaft sowie mit dem privaten Unternehmertum. Eigene Feldforschung und Begegnungen in China bis in die Gegenwart tragen zur Konkretisierung allgemeiner Aussagen bei.

Zuletzt werden aktuelle geopolitische Fragen beleuchtet sowie eine Vorausschau auf die Zukunft gewagt.

Der Referent, Prof. Dr. Thomas Heberer, Professor für Politik und Gesellschaft Chinas, emeritiert, aber weiterhin als „Associate“ am Institut für Ostasienwissenschaften in Duisburg aktiv, ist Ethnologe und Politikwissenschaftler. Er gehört zu den führenden deutschen und europäischen Chinawissenschaftlern.
Seit über 50 Jahren beschäftigt er sich mit China. 1975 war er – im Rahmen seiner Dissertation – erstmals in China. Von 1977 bis 1981 war er als Übersetzer und Lektor an einem chinesischen Verlag in Peking tätig und wurde Zeitzeuge des Beginns der Reform- und Öffnungsprozesses. Seitdem hielt er sich jährlich mehrere Monate zur Feldforschung zu unterschiedlichen Themen und in verschiedensten Regionen Chinas auf. Unterbrochen durch die Pandemie, war er ab 2023 erstmals wieder längere Zeit zu Forschungszwecken in verschiedenen Regionen Chinas unterwegs.
Viele Jahre beriet er als Mitglied des European-China Academic Network das Europäische Parlament in Sachen Chinapolitik. Er hat u.a. Bundespräsident Gauck und die Ministerpräsidenten Rau und Rüttgers beratend nach China begleitet. Er ist Autor bzw. Herausgeber von über 60 Büchern zu verschiedensten innen- und außenpolitischen Themen sowie von vielen hundert wissenschaftlichen Aufsätzen bezogen auf China.
Zu seinen letzten Buchpublikationen zählen u.a. Weapons of the Rich. Strategic Action of Private Entrepreneurs in Contemporary China (2020, mit G. Schubert); Social Disciplining and Civilising Processes in China. The Politics of Morality and the Morality of Politics (2023), Die politischen Systeme Ostasiens. Eine Einführung (2023, mit C. Derichs und G. Schubert, Hrsg.), Xinjiang – A Region at the Crossroads of History and Modernity. Contributions to a Debate (2026, mit G. Gesk, M. Schädler, H. Schmidt-Glintzer und N. Paech, Hrsg.), Transformationsprozesse in China – China in Transformation (2026, mit M. Brie, und M. Leutner, Hrsg.) oder China neu denken. Wie ein Land sich verändert und unser Jahrhundert prägt (2026).

Eine Veranstalung der vh ulm und der Freidenkerinnen & Freidenker Ulm/Neu-Ulm.